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16. Oktober 2009 Tricksen – Schummeln – Betrügen: das können auch Rabenvögel

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Tricksen, schummeln und betrügen sind als Verhaltensweisen der Menschen untereinander nicht sehr beliebt – zumindest nicht bei jenen, die ausgetrickst, beschummelt oder betrogen wurden. Bei den Tieren ist das nicht anders, denn auch sie fallen immer wieder auf Tricksereien ihrer Artgenossen herein. Immer geht es beim Betrügen darum, sich irgendeinen Vorteil gegenüber dem anderen zu verschaffen. Allerdings braucht es schon eine gehörige Portion an Vorstellungskraft, an Fantasie, wie ein Geschehen in der Zukunft – hier ganz konkret ein Verhalten eines anderen Tieres – ablaufen könnte, damit man schließlich besser da steht als der andere.

Ähnlich wie Menschen, Affen oder Hunde leben Kolkraben, Rabenkrähen und Saatkrähen lange in Gruppen mit Artgenossen zusammen, wo eine meist recht strenge Hierarchie herrscht und die ranghöchsten Individuen das meiste und beste Futter abbekommen. Hier muss man schlau sein, um nicht unterzugehen. Und wie die Menschen, die Affen oder Hunde haben die Rabenvögel eine speziell entwickelte Hirnregion, das Nidopallium, das unserem Großhirn entspricht. Wir „denken“ mit dem Großhirn, Vögel mit dem Nidopallium, das verhältnismäßig viel Platz im Kopf einnimmt.

Um also die Intelligenz von Rabenvögeln zu untersuchen, scheint es sinnvoll, die Verhaltensweisen der Rabenvögel näher zu betrachten, in denen betrogen und getrickst wird, denn dazu braucht es offenbar eine besondere Leistung des Gehirns. Wenn Kolkraben mehr als genug Xpress money point zu fressen haben, verstecken sie einen Teil des Futters als Vorrat für schlechte Tage. Als Gruppentier, das nicht daran interessiert ist, dass sich die Artgenossen über das versteckte Futter hermachen, muss es sich etwas einfallen lassen, damit nur es selber vom versteckten Futter profitiert. So verstecken Kolkraben ihr Futter meistens nur dann, wenn sie niemand dabei beobachten kann. Wenn dies nicht möglich ist, dann müssen die anderen getäuscht werden. Sie sind ausgesprochene Meister im taktischen Betrügen, denn sie tun häufig nur so, als ob sie das Futter versteckten, um es dann heimlich irgendwo anders zu vergraben. Oder sie täuschen an einem Ort Futter vor, das natürlich die ranghöheren Vögel für sich beanspruchen. Wenn diese am vermeintlichen Futterort angekommen sind, hat sich der rangniedere Vogel längst aus dem Staub gemacht und damit Zeit gewonnen, sich das Futter dort zu holen, wo es tatsächlich war.

Wer weiterlesen will, findet hier die entsprechende Literatur: