Archiv für die Kategorie ‘Dohlen’

01. Februar 2012 Deutschlands Vogel des Jahres: die Dohle

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Dohle

Dohle – Foto dodsport (Shawnna Porter)

Deutschlands Naturschutzbund NABU hat die Dohle als Vogel des Jahres 2012 gewählt. „Damit beleuchten wir eine der intelligentesten heimischen Vogelarten, die trotz ihrer Anpassungsfähigkeit immer weniger Nistmöglichkeiten findet“, erklärt NABU-Vizepräsident Helmut Opitz. In der Tat sind die beiden größten Probleme des hübschen Rabenvogels mit den blauen Augen die fehlenden Nistmöglichkeiten und die schwindenden Nahrungsgrundlagen.

Die ehemalige Steppenbewohnerin hat sich im Laufe der Zeit sehr an den Menschen angepasst und als Kulturfolgerin die Gebäude als Nistort angenommen. Viele Türme von Kirchen und Burgen boten lange Zeit genug Möglichkeiten in Form von Nischen, Mauerlöchern oder Dachstühlen. Und in der Umgebung ihrer Nistplätze fand sie immer genug Käfer, Heuschrecken, Würmer und Schnecken zum Fressen. Beides ist nun für diesen Vogel immer seltener geworden: Bei Gebäudesanierungen werden alle Löcher verschlossen, was zwar für die Energiebilanz des Gebäudes vorteilhaft ist, aber dadurch verschwinden auch die möglichen Brutplätze für die Kolonienbrüter. Die intensivierte Landwirtschaft ihrerseits sowie die Versiegelung vieler Grünflächen lässt für die Dohlen immer weniger Nahrung übrig.
Damit wird deutlich, dass für eine gezielte Förderung des kleinen Rabenvogels mindestens beide Aspekte berücksichtigt werden müssen: Nistplatzmöglichkeiten sowie Nahrungsgrundlagen.

Weitere Infos:
NABU – Vogel des Jahres

27. Mai 2011 Dohlen-Webcam

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Dohlen-Webcam

Dohlen-Webcam

Jetzt kann man auch den Dohlen vom heimischen Rechner aus ins Nest schauen – gesetzt, man hat einen Internetanschluss. In einem der Nistkästen am Turm von Schloss Landshut hat das Schweizer Museum für Wild und Jagd, das dort seinen Sitz hat, eine Webcam installiert, mit der ein Dohlenpaar beim Brüten beobachtet werden kann. Die Jungen werden gegen Ende Juni/Anfangs Juli ausfliegen.

Die Vogelwarte Sempach schätzt den Bestand der Dohlen in der Schweiz auf 1100 bis 1200 Brutpaare. Als typischer Kulturfolger nutzt dieser Vogel häufig Hohlräume von Gebäuden. So auch rund ums Schloss Landshut, wo diese Art seit den 1970-er Jahren lebt.

Dohlen-Webcam im Schlussturm

11. April 2010 Keine Rabenkrähen in den Top Ten

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Bei der seit 2005 jährlich stattfindenden „Volksvogelzählung“ des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) wurden die Trends der letzten Jahre auch 2009 wieder bestätigt. Mehr als 40’000 Vogelfreunde haben am zweiten Maiwochenende während einer Stunde die Vögel in ihrem Garten gezählt. Die Ergebnisse sind bemerkenswert. Das traurigste gleich vorweg: Viele Vogelarten waren diesmal deutlich seltener zu sehen oder zu hören.

Der Zählung zufolge sind Haussperling und Amsel bundesweit mit Abstand die häufigsten Vögel in Städten und Dörfern, gefolgt von Kohlmeise, Star, Blaumeise, Mehlschwalbe, Elster, Mauersegler, Grün- und Buchfink. Das sind sozusagen die „Allerweltsvögel“, die sich nicht sonderlich spezialisiert haben in Bezug auf Biotop oder Nahrung und mehr oder weniger als Kulturfolger bezeichnet werden können. Als einziger Vertreter der Rabenvögel in den Top Ten liegt die Elster auf Platz sieben.

Interessant ist jetzt aber, dass Rabenkrähen gar nicht unter diesen Top Ten auftreten (sie erscheint erst auf Platz 15). Dies, obwohl man der schlechten Presse nach, die diese Vögel genießen, fast davon ausgehen musste, dass es nur noch Rabenkrähen in den Gärten gibt. Das Gegenteil ist der Fall, denn 2009 wurden bei der Zählung 41 Prozent weniger Rabenkrähen gemeldet als im Durchschnitt der vorangegangenen vier Jahre. Offenbar werden in Deutschland diese Vögel stark bejagt, was sich in diesen Zahlen bemerkbar macht. Was diese Zahlen ebenfalls aufdecken, ist, dass die Verfolgung der Rabenkrähen vollkommen sinnlos ist: „Zwischen der Zahl gemeldeter Rabenvögel und der anderer Gartenvögel ist erneut kein Zusammenhang zu erkennen.“

Wie steht es um die weiteren Vertreter der Rabenvögel  in der Rangliste? Auf Platz 22 kommt der Eichelhäher, die Dohle liegt auf Platz 24, die Saatkrähe auf Platz 29.

Ein weiteres Resultat der „Stunde der Gartenvögel“, wie die Zählung genannt wird, ist aus Sicht der Rabenvögel deutlich erfreulicher. Die Dohle, an vielen Orten ausgestorben oder stark gefährdet, wird von Jahr zu Jahr wieder häufiger beobachtet.

Wer weiterlesen will, findet hier den entsprechenden Onlineartikel:
Nabu: Rückgang der Vögel hat sich bestätigt

04. September 2009 Dohlen verständigen sich mit Blicken

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Dohle (Foto Adrian Pingstone, 2004)

Dohle (Foto Adrian Pingstone, 2004)

Wer schon einmal eine Dohle aus der Nähe gesehen hat, weiß, dass ihre Augen eine gewisse Ähnlichkeit mit unseren aufweisen: Man erkennt eine dunkle Pupille auf einer weißen Iris. Deshalb können wir meistens ganz gut erkennen, wohin die Dohle gerade blickt. Dass sie umgekehrt genauso unsere Blicke wahrnimmt und darauf reagiert, ist trotzdem überraschend.

Denn offenbar kann nicht nur das (meist) sozial lebende Wesen, der Mensch, Blicke anderer Menschen deuten, sich damit verständigen und somit auch sein Verhalten der Situation anpassen. Auch die Dohlen besitzen diese Fähigkeiten. Forscher um die Biologin Auguste von Bayern von der Universität in Oxford haben in verschiedenen Experimenten nachgewiesen, dass Dohlen ganz ähnlich wie Menschen Blicke und Gesten interpretieren können. Wie sie dies tun, hängt unter anderem davon ab, ob das Gegenüber ein Partner bzw. ein Bekannter ist oder ein möglicher Feind.

In einem ersten Versuch maßen die Biologen die Zeit, wie lange die Vögel in Anwesenheit eines fremden Menschen zögerten, bis sie sich an Futter in einer Schale wagten. Ausschlaggebend für die Wartedauer war die Einschätzung der Dohlen, ob der Mensch das Futter beobachtete oder nicht. Dabei spielte weniger die Kopfhaltung eine Rolle Coinstar point als viel mehr die Blickrichtung. Resultat: Je intensiver der Mensch das Futter zu betrachten schien, desto länger warteten die Dohlen.

In einem zweiten Versuch war der Mensch kein Fremder mehr, sondern eine vertraute Person. Jetzt hatten die Dohlen keine Angst vor ihm und sie zögerten auch nicht, sich das Futter zu holen. Mehr noch: Sie konnten die Blicke und Kopfbewegungen des vertrauten Menschen „lesen“, wenn es darum ging, verstecktes Futter zu finden. Dies gelang ihnen im Gegensatz dazu nicht, wenn es sich um einen Fremden handelte, der dieselben Gesten und Blicke machte.

Noch ist nicht ganz geklärt, ob die visuelle Kommunikation der Dohlen mit ihren Artgenossen ein gängiges Verhalten ist, oder ob die Versuchstiere diese Fähigkeiten entwickelt haben, weil sie von Menschen aufgezogen wurden.

Wer weiterlesen will, findet hier die entsprechende Literatur: