Archiv für die Kategorie ‘Die Welt spinnt’

14. April 2011 Rabenvögel auf Filmplakaten (2)

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Four Lions

Four Lions

Der Film «Four Lions» kommt jetzt in unsere Kinos. Diese … äh … rabenschwarze Kommödie beschreibt, wie vier in England lebende Dschihadisten ein Bombenattentat in London planen. Der schon 2010  erschienene Film von Chris Morris hat verschiedene Preise und Nominierungen erhalten, wurde aber auch wegen seines Themas kontrovers diskutiert.
Der folgende Text stammt von Wikipedia und erklärt auch gleich, weshalb auf dem Kinoplakat eine Krähe zu sehen ist:

 

«Der Film handelt von den jungen islamischen Freunden Omar, Waj, Faisal und Barry, wobei letzterer ein konvertierter Engländer ist. Sie leben in der englischen Stadt Sheffield und planen auf eigene Faust einen Schlag im Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen. Zu diesem Zweck besuchen sie ein Terrorcamp in Pakistan. Als Faisal, der versucht, Krähen als Selbstmordattentäter einzusetzen, bei einem Unfall mit Sprengstoff stirbt, wird er durch Hassan ersetzt. Der Film findet seinen Höhepunkt im Versuch der vier verbleibenden Gotteskrieger, sich beim London-Marathon in die Luft zu sprengen.»

Hier noch ein paar Links zum Film:

Offizielle Webseite
Ein Interview mit dem Regisseur und Satiriker Chris Morris

IMDb

25. September 2010 Und es wird weiter geschossen…

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Eidgenössische Jagdstatistik 2009

Screenshot der Eidgenössischen Jagdstatistik 2009

Passend zum vorangegangenen Artikel ein weiterer Beitrag zum Thema Jagd. Kürzlich wurden die neuesten Zahlen der eidgenössischen Jagdstatistik veröffentlicht. Auf der sehr interessanten Webseite wird fein säuberlich aufgezeichnet, was die Jäger in der Schweiz (offiziell) jedes Jahr zur Strecke gebracht haben. Uns interessiert vor allem der Abschnitt „Jagdbare Vögel“ und dort der Unterabschnitt „Rabenvögel“. Hier kann man nun nachlesen, dass im Jahr 2009 im Ganzen 15115 Rabenvögel geschossen wurden. Die größte Gruppe davon bilden die Rabenkrähen mit 10563 getöteten Vögeln, also mehr als zwei Dritteln. Auf Platz zwei dieser unrühmlichen Rangliste finden sich die Eichelhäher mit 2675, auf Platz drei dann die Elstern mit 1852 Tieren. Weitere Rabenvögel scheinen den Jägern nicht zum Opfer gefallen zu sein. Zählt man aber diese Zahlen zusammen, erhält man bloß 15090 Tiere. Es fehlen noch 25… Vor allem aber fällt auf, dass seit vier Jahren deutlich weniger Rabenvögel erlegt werden als in den Jahren zuvor. Zweitens finden sich keine Kolkraben in der Statistik für 2009, von denen doch ein Jahr zuvor noch 407 Tiere geschossen wurden. Hoffen wir, dass hier nicht noch Zahlen nachgeliefert werden.
Wenn man ein wenig auf dieser Webseite rumklickt und die verschiedenen Optionen ausprobiert, findet man noch etwas weiteres Interessantes: eine Statistik nach Kantonen. Unrühmliche Spitzenreiter in der Rabenvogelabschussrangliste sind die beiden Kantone Zürich und Aargau. Das Schlusslicht mit einer einzigen geschossenen Rabenkrähe bildet Basel-Stadt.

25. August 2010 Bestätigt: Jäger sind dumm!

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In der Celleschen Zeitung ist online ein Artikel zu finden, der darauf hinweist, dass der Hegering Celle im August dieses Jahres eine revierübergreifende Jagd zum Schutz von Singvögeln und Ernteerträgen durchführt (alle Zitate aus dem Artikel kursiv). Teile der Krähen-, Elster- und Ringeltaubenpopulation sollen zur Strecke gebracht werden, so die Zeitung. Völlig unkommentiert und ohne nachzufragen wird dann ein gewisser Hans Goller vom Hegering zitiert, weshalb Jagd auf diese Vögel gemacht wird: Rabenkrähen seien […] für erheblichen Schaden unter bodenbrütenden Singvögeln auch auf der Roten Liste verantwortlich, deren Nester sie plündern. Aha. Wären Rabenkrähen tatsächlich so plünderisch, wären die anderen Singvögelchen schon viel früher ausgestorben. Hauskatzen sind bekanntermaßein ein viel größeres Problem, ganz abgesehen von der durch die moderne Landwirtschaft leergeräumten Landschaft, die immer weniger geeignete Bruthabitate der gefährdeten Vogelarten bietet.

Doch das Hammerargument für die Jagd kommt erst noch. Das Ziel des jagdlichen Eifers sind diesmal die Elstern: Im Herbst lässt sich zudem noch etwas erstaunliches beobachten. Dann schließen sich regelrechte Jungvogeltrupps von 30 bis 50 Tieren zusammen und arbeiten sich systematisch durch Hecke um Hecke, Baum um Baum und räumen die Nester dort leer. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: IM HERBST WERDEN DIE NESTER LEERGERÄUMT! Im HERBST, wenn kein Nest mehr besetzt ist, kommen die bösen Elstern und holen sich die gefährdeten Singvögelchen.

Fazit: Jäger sind dumm. Sie haben von Biologie bzw. Ornithologie keine Ahnung und verwechseln Hege mit Naturschutz.

PS: Ich kenne auch intelligente Leute, die jagen. Aber die nennen sich nicht Jäger.

Hier der Online-Artikel in der Celleschen Zeitung. Leider ist kein Datum ersichtlich.

21. September 2009 Vorbild SVP – Nachahmer NPD – einige Unterschiede

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Nachdem schon anfangs Jahr die Rabenplakate der SVP-Kampagne gegen die beschlossene Personenfreizügigkeit in der Schweiz auf ziemlich schlechte Kritik gestoßen war, fiel der NPD in Mecklenburg-Vorpommern nichts Besseres ein, als eben diese Motive für ihre eigene Wahlkampagne zu nutzen. Sie kopierte die Raben und ließ sie nach Euro-Geldnoten picken (im Original picken die übermäßig großen Raben auf einer kleinen „Schweiz“ herum). Während die SVP gegen „Rumänen und Bulgaren“ Stimmung machte, waren es bei der NPD die „Polen“, die unerwünscht waren bzw. sind.

Das Oberverwaltungsgericht in Greifswald stellte nun letzte Woche fest, dass die „Text- und Bildelemente des NPD-Plakats sowie deren Gestaltung ein Angriff auf die Menschenwürde anderer seien […]. Damit stelle das Wahlplakat eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung dar. Zur öffentlichen Ordnung gehöre dem Urteil zu Folge der Gedanke des friedlichen Zusammenlebens der Völker in Europa. Hiergegen verstoße die auf dem Wahlplakat zum Ausdruck kommende Meinungsäußerung, die nach Ansicht des Gerichtes aus ausländerfeindlichen und damit aus verwerflichen Motiven erfolge.“ In der Schweiz hatte die SVP außer ein wenig schlechter Presse nichts zu befürchten…

Nachdem ein erstes Verbot der NPD-Plakate vom Gericht abgelehnt wurde, legte der Landkreis gegen diesen Entscheid Berufung ein. Die Begründung: „Die umstrittenen Plakate zeigen neben dem polenfeindlichen Slogan auch ein Motiv mit „diebischen Elstern“, das entsprechende Vorurteile gegen die polnischen Staatsbürger in Ostvorpommern bedient.“ Was mich jetzt fast am meisten erstaunt, ist dass wieder mal keiner gemerkt hat, dass es sich nicht um „diebische Elstern“ handelt, sondern recht eindeutig Raben abgebildet sind. So hat auch die Online-Ausgabe der Basler Zeitung getitelt: „Deutsches Gericht stoppt Elstern-Plakate“. Damit könnte jetzt vielleicht die NPD doch noch vor der nächsten Instanz Recht bekommen, weil es sich doch gar nicht um Elstern handle, ob diebisch oder nicht, und sich damit fein rausreden. Aber das vorgängige Ziel, lautstark auf sich aufmerksam zu machen, hat die Partei auf jeden Fall erreicht.


Die SVP-Kampagne links und das Nachahmerplakat rechts

Die SVP-Kampagne links und das Nachahmerplakat rechts

Wer will, kann hier noch weiterlesen:

» Online-Artikel der Nachrichten für Mecklenburg-Vorpommern, aus dem die Zitate stammen.

» Online-Artikel der Basler Zeitung


25. August 2009 Raben als Todesboten

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Aus der Coop-Zeitung vom 30. Juli 2003

Aus der Coop-Zeitung vom 30. Juli 2003

Raben haben einen schlechten Ruf. So schlecht, dass sie heute noch für viele Menschen mit Tod und Verderben, mit schlechtem Omen und unheilvollen Vorahnungen verbunden werden. So auch für diese Person, die ihre Beobachtung Margarethe Letzel, der langjährigen Ratgeberin in der Coop-Zeitung schilderte:

Neulich beobachtete ich etwas, das mich nicht mehr loslässt. Auf unserem Dach machten sich plötzlich Raben mit laut pickenden Geräuschen bemerkbar. Solche Vögel hatte ich vorher bei uns noch nie gesehen. Ein Bekannter sagte mir, das sei ein Zeichen, dass jemand sterbe und ich erinnerte mich, dass auch meine Mutter mir früher so etwas erklärt hatte. Zwei Tage später erfuhren wir, dass der Ex-Mann unserer Mieterin verstorben war.

Auch wenn dieser Artikel einige Jahre her ist und ich vermute, dass diese Person eigentliche Raben nicht von den kleineren Rabenkrähen unterscheiden kann, sollten ihre Gefühle, bzw. ihr Aberglaube doch ernst genommen werden. Offenbar gibt es auch heute noch gewisse Menschen unter uns, die herzlich wenig aufgeklärt sind und natürlichen Phänomenen eine besondere Bedeutung zumessen. Diese jahrhundertealte Angst vor den „schwarzen Gesellen“ bzw. die Angst vor dem, was die Rabenvögel in den Augen der Abergläubischen bedeuten, ist in vielen Gebieten Europas verbreitet, wie folgendes Beispiel aus dem Erzgebirge zeigt:

Fliegt ein Rabe krächzend übers Haus,
So trägt man bald einen Toten raus.

Aber auch aus der Schweiz sind viele Belege für Raben als Todesvögel bekannt. Wer sich eingehender mit dieser Thematik befassen möchte, dem empfehle ich das reichhaltige Buch von Ernst und Luise Gattiker «Die Vögel im Volksglauben», Wiesbaden 1989. Eine weitere Empfehlung: Claus-Peter Lieckfeld und Veronika Straaß «Mythos Vogel», München 2002.

Aberglaube hin oder her: Unwissen über die Lebensweise der Rabenvögel und damit verbunden ein generelles Unverständnis über die Zusammenhänge in der Natur wurden und werden immer noch vielen Raben (und nicht nur ihnen!) zum Verhängnis.

» Hier gibt es den vollständigen Artikel aus der Coopzeitung