Krähen vergessen nicht

Corvus brachyrhynchos © Jack Wolf, Albany CA, USA

Corvus brachyrhynchos © Jack Wolf, Albany CA, USA

Schon Konrad Lorenz hatte sich verkleidet, wenn er Krähen fing und markierte, damit sie nicht fliehen würden bei seinem nächsten Besuch, wenn er wieder als „Konrad Lorenz“ auftauchte.

Jetzt haben amerikanische Wissenschaftler der Universität Washington experimentell belegt, was nicht nur Lorenz schon lange geahnt hat: Krähen können Menschen an ihrem Gesicht wiedererkennen.

Der Versuch mit Amerikanerkrähen (Corvus brachyrhynchos), die den Uni-Campus bevölkerten, lief ähnlich ab, wie es Lorenz zu tun pflegte. Die Wissenschaftler ließen Studierende Masken von Personen tragen (z.B. von Dick Cheney, dem damaligen US-Vizepräsidenten) oder auch groteske Höhlenmensch-Masken, während diese einige Krähen fingen, beringten und wieder freiließen. Das hat den Vögeln zwar nicht geschadet, aber diese empfanden das Prozedere auch nicht als angenehm. Tauchten anschließend die Studierenden wieder mit denselben Masken auf, reagierten die Krähen mit lautem Schimpfen. Trugen sie aber keine oder andere Masken, blieben die Vögel ruhig.

Laut derzeitigem Wissensstand können sich die Krähen an bestimmte Gesichter mindestens 2,7 Jahre lang erinnern. Und nicht nur das: Offenbar sind sie in der Lage, ihr Wissen weiterzugeben, denn es scheint, dass die Zahl der schimpfenden Vögel wächst, ohne dass auch sie diesem Prozedere unterworfen gewesen wären.

Wer weiterlesen will, findet hier die entsprechende Literatur:
Animal Behaviour, DOI 10.1016/j.anbehav.2009.12.022

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