Archiv für April 2010

25. April 2010 Krähen setzen das richtige Werkzeug ein

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Corvus moneduloides auf einer Briefmarke aus Neukaledonien

Corvus moneduloides auf einer Briefmarke aus Neukaledonien

Wie schon mehrfach hier in diesem Blog aufgezeigt, können Krähen recht komplexe Aufgaben lösen (hier und hier). Neuseeländische Forscher haben jetzt in einer Reihe von Experimenten nachgewiesen, dass Krähen solche Aufgaben auch in einem neuen Kontext lösen können und dabei in der Lage sind, abstrakte kausale Zusammenhänge zu erkennen.

Die Forscher hatten sieben Geradschnabelkrähen (Corvus moneduloides) aus Neukaledonien in der freien Wildbahn gefangen und sie für die Experimente eingesetzt. Die Vögel hatten die „Aufgabe“, an Futter zu kommen, indem sie zuerst ein bestimmtes Werkzeug erlangen mussten, mit dem sie ein zweites erreichen konnten, mit dem sie schließlich das Futter erhielten.

Der Versuchsaufbau sah folgendermaßen aus: Ein Fleischstück, das in einer Kiste mit Loch lag, musste mit Hilfe eines langen Stocks herausgeholt werden. Dieser Stock befand sich in einer Gitterbox und konnte nur mit einem weiteren kleineren Stock herausgeholt werden. Diesen kleinen Stock mussten die Vögel erst einmal von einer von der Decke hängenden Schnur lösen.

Einige der Krähen wurden schon in früheren Experimenten eingesetzt und kannten die Aufgabe schon, einen mit einer Schnur verbundenen Stock zu benutzen, um an Futter heranzukommen. Eine zweite Gruppe hatte zusätzlich schon Schnur oder Stock einzeln verwendet, um ein zweites Werkzeug zu erlangen. Diese Krähen mussten also „nur“ noch die einzelnen Handlungen gedanklich verbinden. Die Krähen aus der ersten Gruppe dagegen hatten ganz neue Verhaltensweisen zu erlernen. Das Resultat: Alle fortgeschrittenen Krähen konnten die Aufgabe problemlos im ersten Versuch lösen. Bei den Krähen der ersten Gruppe mussten aber einige ein paar Mal üben, bis ihnen dies auch gelang.

Die Krähen zeigten bei diesem Experiment die Fähigkeit, ein bestimmtes Werkzeug als Mittel zum Zweck einzusetzen, das in einem vorangegangenen Experiment zur direkten Nahrungsbeschaffung nutzlos war. Der Stock war dabei zu kurz, um an das Futter zu gelangen. Die Wissenschaftler werten dies deshalb als Zeichen für kognitive Fähigkeiten, die über ein simples Lernen durch Ausprobieren hinausgehen. Nötig sei eine bewusste Erkenntnis, dass der kurze Stock erst als Mittel geeignet ist, um an die begehrte Nahrung zu kommen.

Weitere Informationen zum Thema (leider nicht frei zugänglich):

Alex Taylor (University of Auckland) et al.: Proceedings of the Royal Society B, Onlinevorabveröffentlichung, doi:10.1098/rspb.2010.0285

11. April 2010 Keine Rabenkrähen in den Top Ten

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Bei der seit 2005 jährlich stattfindenden „Volksvogelzählung“ des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) wurden die Trends der letzten Jahre auch 2009 wieder bestätigt. Mehr als 40’000 Vogelfreunde haben am zweiten Maiwochenende während einer Stunde die Vögel in ihrem Garten gezählt. Die Ergebnisse sind bemerkenswert. Das traurigste gleich vorweg: Viele Vogelarten waren diesmal deutlich seltener zu sehen oder zu hören.

Der Zählung zufolge sind Haussperling und Amsel bundesweit mit Abstand die häufigsten Vögel in Städten und Dörfern, gefolgt von Kohlmeise, Star, Blaumeise, Mehlschwalbe, Elster, Mauersegler, Grün- und Buchfink. Das sind sozusagen die „Allerweltsvögel“, die sich nicht sonderlich spezialisiert haben in Bezug auf Biotop oder Nahrung und mehr oder weniger als Kulturfolger bezeichnet werden können. Als einziger Vertreter der Rabenvögel in den Top Ten liegt die Elster auf Platz sieben.

Interessant ist jetzt aber, dass Rabenkrähen gar nicht unter diesen Top Ten auftreten (sie erscheint erst auf Platz 15). Dies, obwohl man der schlechten Presse nach, die diese Vögel genießen, fast davon ausgehen musste, dass es nur noch Rabenkrähen in den Gärten gibt. Das Gegenteil ist der Fall, denn 2009 wurden bei der Zählung 41 Prozent weniger Rabenkrähen gemeldet als im Durchschnitt der vorangegangenen vier Jahre. Offenbar werden in Deutschland diese Vögel stark bejagt, was sich in diesen Zahlen bemerkbar macht. Was diese Zahlen ebenfalls aufdecken, ist, dass die Verfolgung der Rabenkrähen vollkommen sinnlos ist: „Zwischen der Zahl gemeldeter Rabenvögel und der anderer Gartenvögel ist erneut kein Zusammenhang zu erkennen.“

Wie steht es um die weiteren Vertreter der Rabenvögel  in der Rangliste? Auf Platz 22 kommt der Eichelhäher, die Dohle liegt auf Platz 24, die Saatkrähe auf Platz 29.

Ein weiteres Resultat der „Stunde der Gartenvögel“, wie die Zählung genannt wird, ist aus Sicht der Rabenvögel deutlich erfreulicher. Die Dohle, an vielen Orten ausgestorben oder stark gefährdet, wird von Jahr zu Jahr wieder häufiger beobachtet.

Wer weiterlesen will, findet hier den entsprechenden Onlineartikel:
Nabu: Rückgang der Vögel hat sich bestätigt

04. April 2010 Krähen vergessen nicht

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Corvus brachyrhynchos © Jack Wolf, Albany CA, USA

Corvus brachyrhynchos © Jack Wolf, Albany CA, USA

Schon Konrad Lorenz hatte sich verkleidet, wenn er Krähen fing und markierte, damit sie nicht fliehen würden bei seinem nächsten Besuch, wenn er wieder als „Konrad Lorenz“ auftauchte.

Jetzt haben amerikanische Wissenschaftler der Universität Washington experimentell belegt, was nicht nur Lorenz schon lange geahnt hat: Krähen können Menschen an ihrem Gesicht wiedererkennen.

Der Versuch mit Amerikanerkrähen (Corvus brachyrhynchos), die den Uni-Campus bevölkerten, lief ähnlich ab, wie es Lorenz zu tun pflegte. Die Wissenschaftler ließen Studierende Masken von Personen tragen (z.B. von Dick Cheney, dem damaligen US-Vizepräsidenten) oder auch groteske Höhlenmensch-Masken, während diese einige Krähen fingen, beringten und wieder freiließen. Das hat den Vögeln zwar nicht geschadet, aber diese empfanden das Prozedere auch nicht als angenehm. Tauchten anschließend die Studierenden wieder mit denselben Masken auf, reagierten die Krähen mit lautem Schimpfen. Trugen sie aber keine oder andere Masken, blieben die Vögel ruhig.

Laut derzeitigem Wissensstand können sich die Krähen an bestimmte Gesichter mindestens 2,7 Jahre lang erinnern. Und nicht nur das: Offenbar sind sie in der Lage, ihr Wissen weiterzugeben, denn es scheint, dass die Zahl der schimpfenden Vögel wächst, ohne dass auch sie diesem Prozedere unterworfen gewesen wären.

Wer weiterlesen will, findet hier die entsprechende Literatur:
Animal Behaviour, DOI 10.1016/j.anbehav.2009.12.022